Über uns, Organisation . . .
...Innenansicht eines Verein.
Wahrscheinlich kennen uns die meisten Leser von diversen Veranstaltungen innerhalb und außerhalb von Flittard. Aber abgesehen davon, dass wir Blasmusik machen, wissen die meisten wohl nicht viel über uns.
Ich möchte im Folgenden etwas dazu beitragen, diesem Misstand abzuhelfen.
Wir sind ein Zusammenschluss von netten Leuten, die das Interesse am gemeinsamen Musizieren verbindet. Die jüngsten sind 14 und der Chef ist 70 Jahren alt, und aus der Entwicklung des Vereins heraus hat es sich ergeben, dass wir mit Blasinstrumenten Musik machen.
Zur Zeit sind wir ca. 38 Aktive und 10 Azubis. (Dazu später mehr)
Exkurs für den interessierten Laien:
Wir spielen in folgender Besetzung:
1.+2. Flügelhorn
1.+2./3. Trompete
1.+2.+3+ Tenorhorn bzw. Bariton
Tuba, Lyra
große Trommel, kleine Trommel, Becken
Unser Repertoire umfasst insgesamt zur Zeit 80 Stücke und setzt sich aus Märschen, Unterhaltungsstücken, Karnevals-, Martins- und Weihnachtsliedern zusammen. Wir proben 2 mal die Woche dienstags und freitags ab 18.00 Uhr in unserem Proberaum.
Wir sind eingetragener Verein, und damit alles seine Ordnung hat, haben wir auch den obligatorischen Vorstand, wobei ich mit dem Wort Vorstand früher immer etwas Autoritäres bzw. ganz Wichtiges verbunden habe. Unser Vorstand ist zwar wichtig, weil irgend jemand ja die Organisation machen muss, aber keineswegs autoritär. Bei uns läuft alles schon fast basisdemokratisch ab. Es wird kein Stück neu geprobt, kein Kostüm geändert, kein Auftritt angenommen, ohne dass nicht eine Mitgliederbefragung stattfindet. Zum Beispiel werden Anfragen für einen Auftritt an unseren Geschäftsführer nicht sofort beantwortet, sondern der Interessent muss sich in der Regel zwei Wochen gedulden.
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Viele von Ihnen werden das Problem kennen, zu einem festen Termin eine Mannschaft, wofür auch immer, zusammen zu bekommen. Unsere Lösung sieht so aus: Es wird eine Liste mit dem Termin im Proberaum ausgehängt, und alle, die nicht können tragen sich darin aus. So kann ich oder der Geschäftsführer nach Ablauf der Frist sehen, ob wir eine spielbare Besetzung zusammen bekommen. Klappt das nicht, ist das der Grund, warum unser Geschäftsführer manchmal Auftritte absagen muss. Ohne Musiker keine Musik. Und uns ist es wichtig, dass alle freiwillig mitmachen und niemand gezwungen wird. Deshalb ist uns das Votum der Mitglieder Gesetz.
Manchmal treibt unsere Demokratie seltsame Blüten, so auf einer unserer letzten Vollversammlungen, wo eine Stunde darüber heiß diskutiert wurde, ob zu unserer Uniform schwarze oder weiße Socken gehören. In anderen Vereinen wäre das vielleicht kein Thema oder von oben befohlen worden, aber wir nehmen uns dann auch diese Stunde Zeit und klären das gemeinsam (Schwarze Socken !).
Auch im musikalischen Bereich geht es demokratisch zu, obwohl man hier vielleicht eher von Demokratur reden kann. Ich bringe Noten von neuen Stücken mit, die entweder ein Mitglied oder ich gerne spielen möchte. Das wird geprobt, bis es einigermaßen klappt. Dann wird entschieden, ob es in das Repertoire übernommen wird oder nicht. Bei Wünschen, die uns musikalisch überfordern würden, behalte ich mir ein Vetorecht vor. So bleibt die schöne blaue Donau leider außen vor. (1. Flügelhorn Takt 1 bis 8 hohes Bb !!)
Auch schrecken die Aktiven nicht davor zurück, altgedienten Stücken den Laufpass zu geben, wenn sie nicht mehr gerne gespielt werden. So bekam kürzlich Herr Beethoven mit seinem York'scher Marsch die rote Karte. Unvergessen bleibt mir das Glänzen in den Augen Vieler, als im Karnevalszug Dellbrück in einer Art Standgerichtsverfahren kurzerhand die Noten der "Hüsjer bunt am Aldermaat" in den Schneematsch flogen.
Das hört sich jetzt vielleicht so an, als wären wir ein "unregierbarer" Haufen. Dem ist natürlich nicht so. Mit rationalen Argumenten sind auch wichtige Bestandteile des Repertoires zu schützen oder zu ergänzen. (Was wäre ein Schützenfest ohne den Präsentiermarsch)
Grundsätzlich
muss nur der Spaß erhalten bleiben. Da nimmt man dann auch schon mal den
Altstädter Corpstanz in Kauf, wenn man dafür als Regimentskapelle der Kölner
Altstädter Weiberfastnacht die Sitzung auf dem Altermarkt spielen darf.
Auch auf den Proben darf gelacht werden. Es wird zwar eigentlich immer ordentlich gearbeitet, aber auch das geht ohne tierischen Ernst. Wenn eine Trommel bei Tequilla nicht wie üblich "Tequilla" sondern "kleiner Feigling" ruft, und das gesamte Stück zusammenbricht, weil alle lachen müssen ist das ok. (Beim Auftritt gäbe es einen Einlauf)
Alle Mitglieder kommen freiwillig, opfern ihre Freizeit (ca. 250 Stunden im Jahr), und ordnen sich der Gruppendisziplin unter, sonst geht es nicht. Da muss als Gegenleistung der Spaß an der Sache herauskommen. Und wenn ich sehe wie viele unserer Aktiven schon länger als 10 Jahre dabei sind, scheint das zu funktionieren.
Auftritte sind (meistens) das Salz in der Suppe. Da kann man alles was man geprobt hat an den Mann bringen. Wenn es dann gut ankommt, ist das der verdiente Lohn für die ganze investierte Zeit. Außerdem macht es auch Spaß sich mit anderen Vereinen zu vergleichen. ("Haste gehört, wie die den St.Triphon gespielt haben ?"). Und manche Auftritte hinterlassen dann auch bleibende Eindrücke, so jenes Ständchen in Bedburg im Wohnzimmer/Esszimmer/Flur/Küche des Delinquenten mit 25 Musikern und die daran anschließende Busfahrt zurück. Oder Rosenmontagszug 1992 mit Sturm, oder dieses Jahr die Sitzung auf dem Altermarkt oder die obligatorischen Karnevalsauftritte beim TSV Bayer 04 Leverkusen oder .... oder .... oder.
Nicht alle Auftritte machen Spaß, (z.B Schützenzug Solingen im Regen den Berg hoch und "Preussens Gloria" spielen) aber Vertrag ist Vertrag, und unsere Zusagen haben wir bis heute alle eingehalten. Nur, grundsätzlich suchen wir uns aus (Auftrittslisten !), wo wir spielen wollen. Auch das trägt dazu bei die Motivation zu erhalten. Wir haben die letzten Jahre immer Anfragen für ca. 60 Auftritte gehabt. Hätten wir die immer alle ohne Rückfragen angenommen, hätten wir bis heute sicherlich einige Mitglieder wegen Überlastung verloren.
So
gilt als oberstes Gebot: Die Mitglieder bestimmen was und wieviel sie machen
wollen. Der Vorstand schafft die Voraussetzungen dafür, und setzt das
organisatorisch um. Dann sind die Aktiven auch gerne bereit etwas dafür zu tun.
Das es uns auch nach 30 Jahren noch in so guter Verfassung gibt, zeigt, dass es
funktioniert.
Sollte jetzt jemand Geschmack daran gefunden haben
mitzumachen, dann ist er/sie gerne eingeladen mitzumachen. Wir nehmen
grundsätzlich jeden über 14, der bereit ist, mit etwas Engagement mitzumachen.
Mehr Voraussetzungen sind nicht nötig. Wir stellen Instrumente, Uniform und
Kostüme und sorgen für eine fundierte Ausbildung durch einen professionellen
Trompeter.
Wir freuen uns über alle Interessenten.
Kontakt zum Mitmachen
Fazit:
Wir sind kein Verein wie jeder andere. Und trotz einiger vielleicht
unkonventionellen Ansätze in der Struktur funktionieren wir sehr gut und
harmonisch, in des Wortes doppelter Bedeutung.
Ich kann bei vielen Anlässen Vergleiche zu anderen Kapellen ziehen, die teilweise auch professioneller (auf Geldbasis) arbeiten, und bin immer wieder stolz auf unser Leistungsvermögen. Wenn uns zum Beispiel ein Traditionskorps wie die Kölner Altstädter zwei Jahre lang umwirbt, Regimentskapelle zu werden, ist das schon ein großes Lob für uns. So hoffe ich, das es genauso weiter geht, der Spaß nicht abhanden kommt und wir noch viele Jahre zusammenbleiben.

Anselm Seiffert
musikalischer
Leiter
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